Gerhart Hauptmann Schule

REALSCHULE IN WIESBADEN

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Handballklasse

Seit dem Schuljahr 2015/2016 haben wir im Jahrgang 5 eine spezielle Handballklasse für Jungen und Mädchen. ...mehr

 

Handballwerfer

 

 


„Handballklasse“ an der
Gerhart-Hauptmann-Schule

Interview mit Michael Franz

Günni Rodius: Michael, du startest eine „Handballklasse“ an der Gerhart-Hauptmann-Schule in Wiesbaden. Das klingt spannend. Wie kam es dazu? Und worum geht es genauer?
Michael Franz: Ja, ich sage mal so: Wir erkennen wohl erst jetzt so langsam, welche Perspektive und welches Potential dieses Projekt hat – oder haben kann. Zunächst gab es schon im letzten Jahr eine Anfrage – teils ganz normal, teils doch überraschend. Normal insoweit als ich ja immer schon Sport- oder auch handballspezifische Kurse an Schulen gebe. Überraschend aber, dass eine ganze Handballklasse eingerichtet werden sollte. Wenn wir bedenken, dass viele Kinder leider gar nicht mehr sportaffin sind oder doch eher zum Fußball „gezogen werden“, war ich schon skeptisch. Wir haben dann einige „Castings“ veranstaltet – und siehe da: 30 Kinder, 15 Mädchen, 15 Jungs – eine 5. Klasse.
GR: Welche Ziele werden denn verfolgt?


MF: Wir, also vor allem Markus Eckes als Initiator und Schulsportkoordinator sowie Bastian Schäfer als Klassenleiter – beide „Sporttypen“ – wir sind uns einig, dass wir erstmal starten und dann schauen, welche Qualitäten und Motive bei den Kindern gegeben sind; Stand heute ist es weder eine sportspezifische Talentförderung noch eine „unverbindliche Spaßveranstaltung“. Für mich liegt der Reiz darin, mit 11-12-jährigen kontinuierlich und gemeinsam das Handballspiel „zu entdecken“, überhaupt auch das Wesen des Spiels – nicht nur des Handballspiels – zu erkunden.
GR: Geht es noch genauer?
MF: Gerne. Also trotz einer nicht geringen Erfahrung und einer gewissen Kompetenz auch im gehobenen Leistungsbereich gehöre ich schon lange nicht mehr zu denjenigen, die glauben, Handball sei das Wichtigste im Leben; oder, dass es – bei aller sportlichen Spannung – irgend eine wesentliche Bedeutung hätte, wer Deutscher Meister wird oder z.B. – lokal gesehen – die HSG VfR/Eintracht Wiesbaden nun 2. Bundesliga oder Landesliga spielt. Mir graut es vor allem, wenn ich sehe, dass selbst Kinder nur mehr auf das Spielergebnis achten, aber den spielerischen, kreativen Prozess kaum wert schätzen, selten eine natürliche Spielfreude zeigen. Da ist viel Druck – von den Kindern selbst, aber auch von den Bänken und Rängen. Meines Erachtens ist es deshalb heute wichtiger, zu fragen, welche Fähigkeiten und auch Werte wir über Sport und Spiel vermitteln, wir wir Kinder überhaupt erreichen und wieder ein Stück weit „zu sich selbst“ bringen können. Da ist auch viel Hoffnung und Zuversicht, dass sich unser Angebot auch positiv auf die Lernatmosphäre in anderen Fächern und das Lernvermögen insgesamt positiv auswirken wird.
GR: Wie stellst du dir das konkret vor?
MF: Auch die Gerhart-Hauptmann-Schule steht – wie fast alle Schulen – vor immer größeren Herausforderungen, die ich an dieser Stelle nicht erläutern brauche. Von daher bin ich schon sehr beeindruckt, wie hier die Schulleitung um Frau Pöppe eine attraktive Profilbildung voran treibt: Die Förderung der ganzen Vielfalt an Talenten und des ergänzenden Miteinanders stehen nicht nur auf dem Papier – kulturübergreifende Werte wollen nicht nur vermittelt, sondern auch täglich gelebt werden. Wenn ich dazu einen Beitrag durch das Handballspiel leisten kann, macht mir das natürlich Freude. Kinder sind heute oft über- und nicht selten unterfordert, verunsichert, orientierungs- und ziellos, meiden auch häufig das Erlebnis von Anstrengung und Vergleich. Vom Dauerthema “AD(H)S“ mal ganz abgesehen. Auch gibt es zweifellos Defizite im motorischen und koordinativen Bereich. Das Medium „Sportspiel“ ist da sicher nicht das Schlechteste. Deshalb besteht das Rezept aus drei Zutaten: Zum einen aus Elementen der bewährten Heidelberger Ballschule. Zum anderen bauen wir Konditions-, Wahrnehmungs- und Gleichgewichtsübungen aus dem „pädamotorischen Modell“ von Arturo Hotz ein, meinem leider verstorbenen Schweizerischen Mentor, dessen Arbeit zum Thema „Fairplay“ hier auch unbedingt einfliesst; und drittens sollen zumindest die Grundprinzipien des finnischen Motivationskonzeptes „Ich schaffs“ vermittelt werden, mit dem ich schon an anderer Stelle sehr gute Erfahrungen gemacht hatte. Wir starten mit jeweils einer Trainingseinheit pro Woche für Mädchen und Jungs. Zusätzlich bekommen wir eine Theoriestunde, in der wir über Strategie und Taktik, aber auch über sportliches Verhalten, über Fairplay sprechen werden. Du siehst, das ist schon eine Kombination, die nicht ganz alltäglich ist.
GR: Denkt ihr auch an eine Anbindung an Vereine?
MF: Ich hatte vergessen: Bei aller Sympathie für ein eher spielorientiertes, pädagogisches und auch integrierendes Projekt – sollte sich das eine oder andere Talent zeigen und das dürfte nach den ersten Eindrücken der Fall sein, dann werde ich sicher Verbindungen zu geeigneten Vereinen herstellen.
GR: Zu welchen?
MF: Nun, einige Kinder sind oder waren bereits mal in einem Verein; aber im wahrsten Sinne ist die nächst liegende Möglichkeit selbstverständlich die HSG Wiesbaden quasi um die Ecke, gerade die Eintracht ist ja traditionell im Westend verankert. Ich kann mir aber genauso den TuS Dotzheim oder Grün-Weiß vorstellen, auch je nach Wohnort der Betreffenden. Wir sind da jedenfalls offen für alle Vereine und sehen das einzelne Kind und dessen Entwicklungsmöglichkeiten im Mittelpunkt.
GR: Nun bist du ja auch Trainer der Wallauer D-Jugend – die gleiche Altersklasse.
MF: Ja, aber das ist jetzt purer Zufall, ist ja beides unabhängig voneinander auf mich zugekommen. Und in Wallau muß ich ehrlich sagen, da wimmelt es in diesem Alter schon vor Talenten – da dürften die Trauben für die Jungs hier zunächst mal zu hoch hängen. Was die Mädchen betrifft, fehlt mir etwas der Überblick, da könnte ich eigentlich mal mit Jörg Schulze reden – oder mit André Schermuly, wenn ein richtiger Rohdiamant aufleuchtet.
GR: Michael, ich danke dir für das Gespräch und wünsche der Handballklasse sowie und dir und allen Beteiligten viel Erfolg.
MF: Ich danke auch für die Möglichkeit, das Projekt vorzustellen.