Gerhart Hauptmann Schule

REALSCHULE IN WIESBADEN

Gerhart-Hauptmann-Schule, Manteuffelstrasse 12, 65197 Wiesbaden  |  T 0611-317318  |  F 0611-314981  |  Anfahrtskarte

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Gerhart Hauptmann – das ist die Geschichte

einer einzigartigen Karriere aus dem Nichts: der junge Gerhart stammt aus einem kleinbürgerlichen Milieu in Schlesien. Er verlässt die Schule vorzeitig ohne Abschluss, die Berufswahl verläuft schwierig(Landwirt, Bildhauer, Schauspieler), finanzielle Probleme erschweren sein jugendliches Leben. Die gemachten Erfahrungen und Erlebnisse bestimmen sein Weltbild und prägen seine Selbstwahrnehmung, fließen ein in die Konstruktion der Personen in seinen Stücken, führen ihn zur „Erfindung" des Dialektes auf den deutschsprachigen Bühnen. Die revolutionären Umwälzungen der Moderne – in Malerei, Philosophie, Technik, Musik usw. – beeinflussen ihn. Er steigt zum Star der literarischen Szene auf; man erklärt ihn zum „Dichterfürsten", der das „Lied des Jahrhunderts" singt und als der beste Dramatiker deutscher Sprache gilt. Skandale, Verbote, Pleiten und Zensur begleiten seinen Aufstieg: 1889 „Vor Sonnenaufgang",1891 „Die Weber",1896 „Florian Geyer",1903 „Rose Bernd",1911 „Die Ratten", "Bahnwärter Thiel", "Fuhrmann Henschel", "Der Biberpelz", "Einsame Menschen", "Versunkene Glocke" – um nur einige Titel zu nennen. Das kulturelle bürgerliche Establishment diffamiert und beschimpft ihn, ohne seine Thematik begreifen zu können und wendet sich in seiner Arroganz wieder Kaviar und Champagner zu; Kaiser Wilhelm II verweigert ihm Anerkennung und Preise ! In Lyrik, Prosa, Schauspiel, in Briefen, Tagebuchnotizen oder in Reden stellt sich Gerhart Hauptmann dar: 29000 Seiten, davon 3800 Seiten Schauspiel, in etwa 40 Stücke usw. machen den Nachlass aus, der später für 3,8 Millionen DM durch staatliche Seite erworben wird. Er wird mit Ehrendoktorwürden und Literaturpreisen überhäuft; 1912 erhält er den Nobelpreis. Er ist mit Zeitgenossen in Literatur, Malerei, Film und Theater in einem Bekanntenkreis quer durch Europa und dem darin herrschenden Zeitgeist verbunden. 1921 werden kurzzeitig Überlegungen bekannt, ihn zur Wahl des Reichspräsidenten zu nominieren.

Gerhart Hauptmann behütet sein Image, entwickelt ein eigentümliches Charisma, das sich in Ansätzen an Goethe – Frisur oder Kleidung – orientiert; ständig wird er gemalt und fotografiert, später gefilmt. Er pflegt einen eleganten Lebensstil, der von der Lust an Ehrungen und Feiern geprägt ist. Seine Selbstinszenierungen lassen ihn zum Monument in der Kulturszene anwachsen: seine Kritiker nennen ihn selbstgefällig, großspurig, aufgeblasen. Reisen nach Italien, Griechenland oder auch nach Amerika verdichten sein Wissen; Städte wie Dresden, Wien, Berlin oder Breslau werden häufig besucht; seine Häuser in Agnetendorf oder Hiddensee erscheinen als die bestimmenden Ruhepole seines Lebens. Dort arbeitet er, dort empfängt er seine illustren Gäste. Und doch gibt es den Zweifel, denn Triumpfe und Enttäuschungen, Diffamierungen ,massive Kritiken und überschwengliche Lobgesänge wechseln sich ab. Ein Prozess um die Zugehörigkeit zu einem Literatenkreis macht ihm bewusst, wie schnell ein Dichter/Künstler ins Visier der wilhelmischen Staatsgewalt geraten kann. Die Erfahrungen lassen ihn vorsichtig werden: wer so hoch gekommen ist, möchte nicht wieder fallen...

Dieser Karriere- und Lebensverlauf sollte von uns mit Respekt, mit milden Lächeln angesichts der skizzierten Schwächen, aber auch mit Bewunderung kommentiert werden. Daraus lässt sich noch keine Vorbildfunktion ableiten.

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